Hochschule RheinMain
Versuche in großer Höhe



Institut für Automatisierungsinformatik

Das Phänomen des Einfangens elektrisch geladener Teilchen entlang der Kraftlinien des irdischen Magnetfeldes wurde 1957 von einem in den USA geborenen griechischen Amateurwissenschaftler namens Nicholas Christofilos vorausgesagt, der seinen Lebensunterhalt als Vertreter im Dienst einer Aufzugsfirma verdiente. Er hatte seine Berechnungen an mehrere auf diesem Gebiet forschende Wissenschaftler geschickt, damit jedoch kaum Beachtung gefunden. Erst als Akademiker unabhängig von Christofilos zu denselben Resultaten gelangten, wie er wurde ihm neben einer Berufung an eine amerikanische Universität die gebührende Anerkennung zuteil.

Im August und September 1958 ließen die Amerikaner um zu testen, ob der Effekt im Raum auch wirklich auftritt, drei mit Atombomben beladene Raketen aufsteigen und die Bomben in 500 km zünden. Die bei der Explosion massenhaft freigesetzten geladenen Partikel breiteten sich entlang der magnetischen Feldlinien aus. Die Teilchenbänder blieben eine beträchtliche Zeit bestehen; Explorer IV registrierte sie über mehrere hundert Erdumkreisungen hinweg. Die bei den Atombombenexplosionen anfallenden Partikelwolken riefen daneben geringfügige Aurora- Erscheinungen hervor und störten eine Zeitlang die irdischen Radarsysteme. Dies war der Auftakt zu weiteren Experimenten. Am 9. Juli 1962 wurde die erste Atombombe im Raum gezündet (Starfish), wobei die Magnetosphäre über einen längeren Zeitraum verändert wurde. Auch die Sowjetunion führte 1962 ähnliche Bombentests in großer Höhe durch. Der künstliche Strahlungsgürtel zerstörte die Solarzellen mehrerer Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen.

Es wurden weitere Versuche unternommen ein breites Band dünner Kupfernadeln in eine Umlaufbahn um die Erde zu bringen und auszuprobieren, ob sie sich als Reflektoren für eine garantiert störungsfreie drahtlose Fernkommunikation eignen. Trotz der Einwände von Radioastronomen, die negative Auswirkungen auf die Empfindlichkeit von Radiosignalen aus dem All befürchteten, wurde das Projekt am 9. Mai 1963 gestartet. Ein Satellit, der über 400 Millionen Kupfernadeln enthielt (jede 19mm lang und dünner als ein Menschenhaar – die ganze Ladung wog ca. 16 kg), wurde in eine Umlaufbahn gebracht. Die Nadeln wurden ausgestoßen und verteilten sich dann langsam, bis sie ein weltumspannendes Band bildeten, das in der Tat Radiowellen reflektierte. Dieses Band hielt drei Jahre seine Bahn. Für praktische Anwendungen bräuchte man allerdings ein wesentlich dichter mit Nadeln besetztes Band.

Hint