Hochschule RheinMain
Der Marsmythos in Bildern



Studienbereich Umwelttechnik & Dienstleistung


 

Der Marsmythos begann 1877 und überdauerte fast ein Jahrhundert. Dennoch beruht er auf einem der größten Irrtümer der Wissenschaftsgeschichte.

Etwa alle 15 bis 17 Jahre steht der Mars unserer Erde besonders nahe. 1877 war ein solch günstiges Beobachtungsjahr. Niemals zuvor beobachteten  Astronomen den Mars so intensiv und auch die Fernrohrtechnologie hatte in den Jahren zuvor deutliche Fortschritte gemacht. Es war die Zeit der achromatischen Refraktoren (Doppellinsen-Fernrohre), die mit ihrer bis dahin nicht gekannten Bildschärfe den Spiegelteleskopen vorrübergehend  den Rang abliefen.

 

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Die Marskanäle


 

Im Fernrohr erscheint die Marsoberfläche rötlichgelb mit einigen dunklen Flächen. Die hellen Gebiete deutete man damals als Wüsten, die dunklen als Meere. Da machte der italienische Astronom Giovanni Schiaparelli (1835 – 1910) eine sensationelle Entdeckung.

  Direktor der Mailänder Brera-Sternwarte auf einem Liebig-Sammelbild um 1890
Der damals sehr bekannte Direktor der Mailänder Brera-Stern-
warte auf einem Liebig-Sammelbild um 1890
         
  Marskarte nach Schiaparelli
Marskarte nach Schiaparelli. Aus: Camille Flammarion, Les Terres du    
Ciel, Paris 1884
 

Schiaparelli bemerkte, dass die Meere untereinander durch feine dunkle Linien verbunden waren. Er nannte sie canali ohne damit zunächst eine Wertung zu verbinden. Sehr vielen Zeitgenossen gefiel jedoch der Gedanke, dass die Marskanäle das Werk intelligenter Marsbewohner seien. Offensichtlich dienten die Kanäle zur Bewässerung der trockenen Wüstengebiete und zu Verkehrszwecken wie der kurz zuvor, 1869, eröffnete Suezkanal.

 
         
 

Der einflussreichste Kanal-Befürworter war der amerikanische Hobby-Astronom und Millionär Percival Lowell, der 1894 in Flagstaff ein Observatorium gründete, in welchem er bedeutende Profi-Astronomen beschäftigte.

  Percival Lowell (1855 – 1916)
Percival Lowell (1855 – 1916)
 
         
  Künstlerische Darstellung einer Kanallandschaft
Künstlerische Darstellung einer Kanal- 
landschaft. Aus: Camille Flammarion,  
Les Terres du Ciel, Paris 1884             
 

Neben Schiaparelli ließ er sich von den Thesen des französischen Astronomen Camille Flammarion (1842 – 1925) über die „Pluralität der bewohnten Welten“ inspirieren. Lowell und seine Mitarbeiter beobachteten in der trockenen, klaren Wüstenluft von Arizona eifrig den Mars und entdeckten zuletzt nicht weniger als 700 Kanäle, von denen einige zeitweise sogar in Verdopplung auftraten. Er schrieb mehrere umfangreiche Bücher über den Planeten, dem er sein Leben widmete. Darin vertrat er vehement die These, dass dieser bewohnt sei.

 

 
         
 

Viele Astronomen hielten die Marskanäle jedoch für eine optische Täuschung. Ein wichtiges Argument bestand in der fehlenden Polarisation der dunklen Flächen. Wären es tatsächlich Meere oder Seen, müsste das von ihnen reflektierte Licht teilweise polarisiert sein, was jedoch nicht der Fall ist. Sie glaubten daher eher an Vegetationsflächen, zumal ihre Farbe, je nach Jahreszeit, zwischen leicht grünlich und braun schwankt.

Der wichtigste Gegner der „Kanalfraktion“ war der griechische Astronom Eugène Michel Antoniadi (1870 – 1944), der, zunächst mit kleineren Instrumenten, selbst Marskanäle gesehen haben wollte. Schiaparelli hatte seine Beobachtungen mit kleineren Teleskopen bis maximal 49 Zentimeter Objektivöffnung gemacht und Lowell blendete seinen 61 cm-Refraktor sogar auf 30 Zentimeter ab, weil er glaubte, dadurch schärfere Bilder zu erhalten. Das war sogar richtig, ging jedoch auf Kosten der Detailauflösung. Antoniadi dagegen benutzte den großen 83 cm-Refraktor von Meudon, eines der weltweit besten Teleskope der damaligen Zeit, und sah von da an keinen einzigen Marskanal mehr. Seine Zeichnungen sind die genauesten und detailreichsten in der Geschichte der visuellen Planetenbeobachtung. Wo bei Schiaparelli Kanäle zu sehen sind, zeigen Antoniadis Zeichnungen an einigen Stellen Ketten von dunklen Gebilden, die von einer viele Jahrzehnte späteren Marssonde bestätigt wurden. Lowell dagegen versuchte, seinen Widersacher als Beobachter mit mangelnder Sehschärfe zu diffamieren.

  Zeichnung einer Marsregion, Marskarte von Antoniadi
Links: Zeichnung einer Marsregion mit Kanälen, Mitte: Zeichnung von Antoniadi der gleichen Re-
gion, Rechts: Aufnahme einer Marssonde. Die Marskarte von Antoniadi muss den Vergleich mit
den Karten nach Marssonden der NASA nicht scheuen

 

Marsmenschen erobern die Erde

 

  Bericht einer Reise zum Mars
Der Bericht einer Reise zum Mars er-   
schien 1882 in vier kleinen Bändchen   
 

Während also immer mehr Astronomen „ungläubig“ wurden, erlangten die Marsianer in der Bevölkerung enorme Popularität. Sie weckten jedoch auch Ängste, denn wer in der Lage ist, ein derart aufwendiges Bewässerungssystem anzulegen, der musste der Erdbevölkerung zwangsläufig technisch überlegen sein. Schriftsteller nutzten diese Mischung aus Begeisterung und Furcht. Ihre zahlreichen Marsromane schilderten die Marsmenschen mal als kluge, friedliebende Übermenschen, mal als gefährliche, hässliche Monster. Der erste technisch-utopische Marsroman stammt von dem Engländer Percy Greg (1836 – 1898). Er erschien bereits 1880 und wurde wenige Jahre später unter dem Titel Jenseits des Zodiakus auch ins Deutsche übersetzt. Der Mars wird mit einem Anti-Gravitations-Raumschiff erreicht.

 
         
 

Der Astronom und Publizist Flammarion befeuerte seine Vorstellung von einem bewohnten Mars durch zwei Erzählungen: Uranie (1889) und Stella (1897). Von der ersten Erzählung existiert auch eine deutsche Ausgabe. Flammarion war auch ein Esoteriker und so wird das „Transportmittel“ Reinkarnation verständlich.

 
Esoterischer  Marsroman, deutsche Ausgabe von 1894
Esoterischer Marsroman, deutsche
Ausgabe von 1894
    Spätere Ausgabe Flammarions zweitem Marsroman um 1920
Spätere Ausgabe Flammarions zweitem
Marsroman um 1920
 
         
  Comic-Version des Wells-Marsklassikers
Comic-Version des Wells-Marsklassikers:
Illustrierte Klassiker Nr. 6, Aachen 1956  
(Übersetzung aus dem Amerikanischen)
 
 

Hervorragender Vertreter der „Monster-Kategorie“ ist die bis heute berühmte Erzählung von H. G. Wells, Krieg der Welten, 1898. Krakenähnliche Marsmonster landen an mehreren Stellen der Erde und machen mit hochbeinigen Kampfmaschinen alles nieder, was sich Ihnen in den Weg stellt. Dabei benutzen sie so etwas wie Laserkanonen, gegen die das irdische Militär machtlos ist.

 
         
 

Ein derartiges Szenario erschien den damaligen Zeitgenossen durchaus als realistisch, denn das Verhalten der Kolonialmächte war oftmals nur wenig freundlicher und die Erde hatte, vor allem an Lebensraum  und Bodenschätzen, einiges zu bieten, was Bewohnern des kargen Mars verlockend erscheinen konnte. Schließlich unterliegen die Marsianer dennoch überraschend, allerdings nicht den Erdenmenschen sondern schlichten Bakterien, gegen die sie keine Abwehrkräfte besitzen. Noch 1938 waren die Marsianer in der Lage, eine Massenpanik auszulösen. Orson Welles‘ Radiohörspiel des Wells-Romans wurde von einer Vielzahl amerikanischer Hörer für bare Münze genommen. 

  Der berühmteste aller Marsromane
Der berühmteste aller Marsromane,
deutschsprachige Erstausgabe mit
unspektakulärem Einband, Wien 1901
         
  Zweibändiger Marsroman von 1897
Zweibändiger Marsroman von 1897, hier    
die illustrierte Originalbroschüre des ersten
Bandes von 1899 (3. – 4. Tsd.  = 2. Aufl.)  
 

Anders verläuft die interplanetare Begegnung bei Kurd Laßwitz (1848 – 1910). Auf zwei Planeten, 1897, ist ein monumentaler, teilweise sperrig zu lesender zweibändiger Roman mit insgesamt 966 Seiten (Erstausgabe).

 
         
 

Nordpolfahrer treffen dort auf Marsianer, die über dem Pol eine Raumstation betreiben. Sie sind menschengleich, doch technisch und moralisch überlegen und machen die Erde zu einer Art Protektorat. Nach anfänglichem Widerstand fügt sich die Menschheit, weil sie von den Segnungen der Marstechnik und -kultur profitiert. Ein Regierungswechsel auf dem Mars führt auf der Erde zu stärkeren Repressionen. Ein von Amerika ausgehender Aufstand bringt schließlich die Befreiung in Form eines Waffenstillstands mit anschließender Aufhebung des Protektorats. Ausschlaggebend für diesen Erfolg war der Verrat eines Marsianers, der den Amerikanern Waffengleichheit verschaffte.Laßwitz‘ Roman wurde in viele Sprachen übersetzt, hatte aber bei der „normalen“ Leserschaft nicht den internationalen Erfolg wie Wells‘ Actionabenteuer. Umso mehr beriefen sich bedeutende Physiker und Ingenieure auf Laßwitz‘ Monumentalwerk, wenn sie nach ihrer beruflichen Inspiration gefragt wurden.

  Spätere Auflage des zweibändigen Marsromans von 1897
Spätere Auflage (9. - 11. Tsd.) des zwei-
bändigen Marsromans von 1897, hier
erstmals mit illustriertem Leinen-Einband
(um 1900)
 
         
 
Zweiter Teil eines Marsromans von 1910
Zweiter Teil eines Marsromans von     
1910
        Broschierte Ausgabe eines Marsromans von 1913
Broschierte Ausgabe eines Mars-
romans von 1913
 

In der Folge erschien eine Flut weiterer Marsromane, bei denen häufig die Probleme und Abenteuer einer Marsmission im Vordergrund stehen. Einige dieser Geschichten sind durchaus interessant und originell, auch wenn sie nicht die Bedeutung ihrer Vorgänger erreichen. Hier nur zwei Beispiele. Weitere finden Sie am Ende dieser Info-Webseite als Bilderfolge.

 
         
 

Große Popularität erreichte Edgar Rice Burroughs (1875 – 1950) mit Eine Mars-Prinzessin, 1917, deutsch 1925, erster Band eines elfteiligen Marszyklus‘ des Tarzan-Erfinders. Es gibt menschliche und nicht-menschliche Marsianer. Unter den letzteren sind einige grün, haben Antennen auf dem Kopf und dürften die Vorbilder aller späteren Marsmensch-Karikaturen (kleine grüne Männchen) sein.  Andere sind erkennbar ansehnlicher.

  Erster Roman einer langen Mars-Serie von Edgar Rice Burroughs
Erster Roman einer langen Mars-Serie
von Edgar Rice Burroughs, Stuttgart
1925
         

 

Die Marsluft wird dünner

 

 
Schutzumschlag eines Marsromans
Schutzumschlag eines Marsromans    
aus der Reihe „Romane aus der Welt  
von morgen" von 1952. Das amerika-  
nische Original erschien 1949              
        Taschenbuchausgabe New York 1951
Taschenbuchausgabe New York 1951,
ein Jahr nach der Erstausgabe. Das
reißerische Titelbild ist völlig unpas-
send
 

Bald nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Luft für Marsianer im wahrsten Sinne dünner. Die Atmosphäre entpuppte sich als nicht atembar und die immer besser werdenden teleskopischen Marsfotos zeigten niemals Kanäle. Dennoch erscheinen einige, auch heute noch empfehlenswerte Marsromane. Gleich mehrere stammen von Robert A. Heinlein (1907 -1988). Der poetischste allerdings ist von Ray Bradbury (1920 – 2012). Es handelt sich um eine Sammlung von Kurzgeschichten, die ab 1946 zunächst in Zeitschriften erschienen und dann 1950 unter dem Titel Die Mars-Chroniken als Buch zusammengefasst wurden.

 
         
 

Richteten sich die ersten Marsklassiker an eine erwachsene Leserschaft oder zumindest an die „reifere“ Jugend, so erschienen später auch Romane für jüngere Leser.

 
Kleiner Marsroman für junge Leser von 1931
Kleiner Marsroman für junge Leser von 1931
       Mars-Jugenderzählung von 1951
Mars-Jugenderzählung von 1951
 
         

 

Der triviale Mars

 

  Marsabenteuer als Utopia-Groschenheft
Marsabenteuer als Utopia-Groschenheft
Nr. 74 von 1955                                   
 

Die 1950er und frühen 60er waren die goldenen Jahre der Groschenhefte und Comics. Die Nachkriegsjahre verlangten nach leichter „Fluchtliteratur“. Was den Science Fiction-Sektor anging, war der Mars natürlich prominent vertreten. Gerne wurde eine Verbindung zu den in den 40er Jahren aufgekommenen Fliegenden Untertassen (UFOs) hergestellt. 

 
         
 

Eine Besonderheit jener Jahre waren die schmalen Heftchen, die ursprünglich aus Italien stammten und Piccolos genannt wurden. Der Preis von zunächst 20 Pfennig passte gut zum Taschengeld der damaligen Leserschaft.

  Science Fiction-Comic im Piccolo-Format
Science Fiction-Comic im Piccolo-Format von 1957
         
  Marsabenteuer aus der legendären DDR Funny Comic-Serie Mosaik
Marsabenteuer aus der legendären DDR
Funny Comic-Serie „Mosaik“ Nr. 26, 1959
 

Auch in der DDR existierten einige wenige Comic-Serien, die sich jedoch gerne technisch-utopischen Themen annahmen. Die beliebteste war die zeichnerisch hervorragende Mosaik-Reihe mit ihren legendären Helden, den Digedags.

 
         
 

Erstaunlicherweise gab es unter den utopischen Romanheften und Comics auch einige belehrende Sachtexte, natürlich mit dem Lieblingsthema Mars.

 
Teil 1 eines Sachtexts innerhalb einer Science Fiction Romanheftreihe
Teil 1 eines Sachtexts innerhalb einer
Science Fiction–Romanheftreihe,
ca. 1960
     Spätere Ausgabe Flammarions zweitem Marsroman um 1920
Erzählender Sachtext in Comic-Form,
1961
 
         

 

Der kuriose Mars

 

 

Auf der Höhe ihrer Zeit:
Eine Schweizer Narrenzunft macht 1895 den Mars zum Thema ihres Fastnachts-
zugs.

  Leporello einer Solothurner Narrenzunft
Leporello einer Solothurner Narrenzunft
         
  Amerikanisches Notenheft, New York 1901
Amerikanisches Notenheft, New York 1901
 

Die enorme Aufmerksamkeit, die dem Mars um 1900 zuteil wurde, lässt sich an einem Beispiel aus der Musikwelt deutlich belegen. Ein amerikanischer Komponist nutzte die Mars-Euphorie, um seinem Marsch eine höhere Aufmerksamkeit zu sichern.

 
         
 

Selbstverständlich rief ein derart populäres, aber auch umstrittenes Thema wie die Marsfrage um die Jahrhundertwende die Satiriker auf den Plan. Ein damals sehr beliebtes Medium für humoristisch verpackte Kritik war die kurz zuvor erfundene Bildpostkarte.

  Satirische Postkarte der ersten Landung auf dem Mars um 1900
Satirische Postkarte der ersten Landung auf dem Mars um 1900

Betriebsfest auf dem Mars, Postkarte um 1900
Betriebsfest auf dem Mars, Postkarte um 1900
         
  Österreichisches Groschenheft Im Jahr 2000
Österreichisches Groschenheft Im Jahr
2000
Band 3 von 1953                        
 

Ein imaginärer Marsmolch soll furchterregend erscheinen, wirkt aber eher unfreiwillig komisch.

 
         
 

Es wäre erstaunlich, wenn der Mars nicht auch zu Werbezwecken herhalten müsste. Ein Hase wird mit einer Fliegenden Untertasse zum Mars entführt und wirbt für Kaffee.

 
Werbebilderbuch der Firma Eduscho, ca. 1958
Werbebilderbuch der Firma Eduscho,
ca. 1958
     Rückendeckel des Werbebilderbuchs
Rückendeckel des Werbebilderbuchs
 
         

 

Das Marsprojekt des Wernher von Braun

 

  Kurzer wissenschaftlicher Text
Kurzer wissenschaftlicher Text des be-
rühmten Raketenforschers, 1952         
 

Wernher von Braun (1912 - 1977), der bekannteste der von Kurd Laßwitz inspirierten Raumfahrt- und Raketenpioniere, plante Anfang der fünfziger Jahre in allen Details eine bemannte Mission zum Mars und publizierte 1952 die streng wissenschaftliche Schrift Das Marsprojekt. Studie einer Interplanetarischen Expedition. Hintergrund war der Tatbestand, dass von Braun mit den besten seiner Mitarbeiter aus Peenemünde nach dem Zweiten Weltkrieg zwar zu den Amerikanern überlief, dort aber zunächst auf „standby“ geschaltet wurde und somit Zeit für lang gehegte persönliche Pläne und Ideen hatte. Zwei Marsschiffe, eins für Material, eins für die Expeditionsmitglieder, sollten auf einer Raumstation zusammen montiert werden. Dazu wären vierhundert Versorgungsflüge von der Erde zur Station in 1370 km Höhe notwendig gewesen. Von Braun hielt damals alle technischen und wissenschaftlichen Probleme für prinzipiell gelöst. Lediglich die immens hohen Kosten erschienen ihm als ernsthaftes Hindernis.

 
         
 

Von Braun erinnerte sich an die Wirkung, die SF-Literatur auf ihn ausgeübt hatte. Er verfasste selbst den Entwurf einer Science Fiction-Erzählung zu seinem Marsprojekt, ...da ich kein besseres Mittel wusste, die vielseitige Problematik, die der Schritt des Menschen in das Weltall auf allen Lebensgebieten mit sich bringen muss, in überzeugender und eindringlicher Weise zu porträtieren. Er engagierte mit F. L. Neher einen Autor, der das Marsprojekt auf 587 Seiten romanhaft (Menschen zwischen den Planeten, 1953) ausmalte. Das obige Zitat stammt aus von Brauns Vorwort. Die Erzählung fand nicht den Beifall von Brauns, dennoch ließ er sie in Druck geben. Wie von ihm erwartet, wurde das Buch kein Erfolg.  

  Marsroman, erschienen 1953
Marsroman, erschienen 1953, nach einer
Anregung Wernher von Brauns zur Popu-
larisierung des Marsprojekts
         
  Utopischer Sachtext zur Popularisierung des Marsprojekts, 1957
Utopischer Sachtext zur Popularisierung
des Marsprojekts, 1957                        
 

Wernher von Braun nutzte jedoch auch andere Kanäle der Werbung. Zusammen mit dem Wissenschaftsjournalisten Willy Ley verfasste er eine großformatige, eindrucksvoll von dem NASA-Illustrator Chesley Bonestell bebilderte, populärwissenschaftliche Marsmonografie, die zunächst in den USA heraus kam. Die deutsche Übersetzung erschien 1957.

 
         
 

Im gleichen Jahr brachte die Frankfurter Illustrierte eine Titelgeschichte zu von Brauns Marsplänen. 

  Titelbild Frankfurter Illustrierte
Titelbild Frankfurter Illustrierte Nr. 7 vom
16. Februar 1957
 
         
  Mars-Landemodul nach den Vorstellungen Wernher von Brauns
Mars-Landemodul nach den Vorstellun-
gen Wernher von Brauns                     
 

Neben diversen schwarz-weißen Bildern zeigt der Illustriertentext auch eine großformatige farbige Zeichnung des Landemoduls.

 
         
 

Das Wettrennen um die Eroberung des Weltalls, das im gleichen Jahr mit dem russischen Sputnik eröffnet wurde, rückte hochfliegende Marspläne in den Hintergrund.

   
         

 

Ende eines Traums

 

 

Der endgültige Garaus für real existierende Marskanäle kam erst 1965 mit der ersten erfolgreichen Marssonde Mariner 4, die 22 Schwarzweiß-Aufnahmen aus ca. 10.000 km Entfernung zur Erde funkte, sowie ihren Nachfolgern Mariner 6 und 7 im Jahr 1969. Auch wenn die Bildauflösung der ersten Marssonden-Fotos nach heutigen Maßstäben bescheiden war, reichte sie doch aus, um die Marskanäle ins Reich der Phantasie zu schicken.
 
Doch was waren die Marskanäle? Sicherlich fallen sie unter den weiten Begriff „optische Täuschungen“. Das Auge neigt dazu, Ketten von dunklen Punkten zu einer Linie zu verbinden, wenn das Auflösungsvermögen an seine Grenze kommt. Antoniadis Beobachtungen untermauern das. Auch dürfte der Wunsch, „etwas sehen zu wollen“, eine Rolle gespielt haben. Kurioserweise haben die Sonden auf dem Mars tatsächlich Kanäle fotografiert. Es handelt sich dabei um ausgetrocknete Fließstrukturen und Grabenbrüche, die aber mit wenigen Ausnahmen nicht mit den klassischen Marskanälen übereinstimmen.  

 

Doch auch danach blieb der Mars als erdähnlichster Planet im Sonnensystem im Fokus der Planetenforschung. Wernher von Braun sah als einziges ernsthaftes Hindernis für sein Marsprojekt die hohen Kosten. Doch da war er zu optimistisch. Fehlende Kenntnisse über die Gefahren des interplanetaren Raums und falsche Vorstellungen über die Bedingungen auf dem Mars hätten sein Projekt wahrscheinlich scheitern lassen. Seitdem erweiterten diverse Sonnensonden und unbemannte Marsmissionen unsere Kenntnisse enorm und liefern die Grundlage für die erste bemannte Marsmission, die jetzt tatsächlich in erster Linie eine Frage der Zeit und des Geldes ist. Wenn es in einigen Jahrzehnten soweit ist, könnte das der Beginn eines neuen Marsmythos sein.

 
 

     
 

Die nachstehende Bilderfolge gibt einen kleinen Eindruck von der Vielfalt der Marsromane. Detailliertere Informationen über die Marsliteratur der „goldenen Marsjahre“ findet man bei
Abret, Helga & Boia, Lucian, Das Jahrhundert der Marsianer, München, Wilhelm Heyne Verlag 1984.

 


Weitere Marsromane

  • Planetenroman von Friedrich Wilhelm Mader, 1911
    Planetenroman von Friedrich Wilhelm Mader, 1911
  • Spätere Auflage von 1921
    Spätere Auflage von 1921
  • Marsroman von Intrus (Paul Oswald Köhler), 1905
    Marsroman von Intrus (Paul Oswald Köhler), 1905
  • Schwäbischer Marsroman, Stuttgart 1910
    „Schwäbischer“ Marsroman, Stuttgart 1910
  • Kleiner Marsroman von 1922
    Kleiner Marsroman von 1922
  • Sindbad-Bücher, Schutzumschlag, 1923
    Sindbad-Bücher, Schutzumschlag, 1923
  • Graf Alexei N. Tolstoi, Aelita, kommunistischer Marsroman von 1924
    Graf Alexei N. Tolstoi, Aelita,
    kommunistischer Marsroman von 1924
  • Schutzumschlag eines Marsabenteuers von 1934
    Schutzumschlag eines Marsabenteuers von 1934
  • Schutzumschlag eines Marsroman von 1936
    Schutzumschlag eines Marsroman von 1936
  • Pappband von Salzburg 1946
    Pappband von Salzburg 1946
  • Broschüre, 1948
    Broschüre, 1948
  • Marsabenteuer aus der Groschenheft-Serie Rah Norton.
    Marsabenteuer aus der Groschenheft-Serie „Rah Norton. Der Eroberer des Weltalls“ von Ive Stehen, Band 9, 1949
  • Broschüre, ca. 1950, ursprünglich Marso der Zweite, 1936
    Broschüre, ca. 1950, ursprünglich Marso der Zweite, 1936
  • Marsabenteuer als Utopia-Groschenheft Nr. 19
    Marsabenteuer als Utopia-Groschenheft Nr. 19 von Alf Tjörnsen (Verlagspseudonym), 1953
  • Marsabenteuer als Utopia-Groschenheft Nr. 40
    Marsabenteuer als Utopia-Groschenheft Nr. 40 von Alf Tjörnsen (Verlagspseudonym), 1953
  • Marsabenteuer als Utopia-Groschenheft Nr. 41
    Marsabenteuer als Utopia-Groschenheft Nr. 41 von Alf Tjörnsen (Verlagspseudonym), 1953
  • Marsabenteuer als Utopia Großband-Groschenheft, 1956
    Marsabenteuer als Utopia Großband-Groschenheft, 1956
  • Schutzumschlag eines satirischen Marsromans
    Schutzumschlag eines satirischen Marsromans aus der Reihe Romane aus der Welt von morgen von 1959, amerikanisches Original 1954
  • Schutzumschlag eines Marsromans
    Schutzumschlag eines Marsromans aus der Reihe Romane aus der Welt von morgen von 1961, amerikanisches Original 1956
  • Teil 2 eines Sachtexts innerhalb einer Science Fiction–Romanheftreihe
    Teil 2 eines Sachtexts innerhalb einer Science Fiction–Romanheftreihe, ca. 1960
  • Herausragender Spät-Marsroman, broschiert, 1972
    Herausragender Spät-Marsroman, broschiert, 1972 (Originalausgabe 1950)
     

 

Kleines Mars-Sammelsurium


























     

   

Inhaltlich verantwortlich:
Prof. Dr. Gerd Küveler
E-Mail: gerd.kueveler@hs-rm.de

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